Dienstag, 5. September 2017

[Rezension] "Der Junge auf dem Berg" - bedrückend und still



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Der Junge auf dem Berg (John Boyne) 

Erschienen 
24. August 2017 
Seitenzahl: 304 
Verlag: FischerVerlag 
Hardcover: 16,99 € 
ISBN: 978-3737340625

Der Autor

John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben und bekam bereits als Student erste Auszeichnungen. Nach zahlreichen Kurzgeschichten hat er inzwischen sieben Romane geschrieben, von denen bisher drei auf Deutsch veröffentlicht wurden. Sein 2006 erschienener und bereit kurz darauf erfolgreich verfilmter Roman ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹ wurde in über 40 Sprachen übersetzt, mit zahlreichen nationalen wie internationalen Auszeichnungen und Preisen geehrt und hat weltweit über fünf Millionen Leser gefunden. (@amazon)

Der Junge auf dem Berg

Pierrot ist Franzose mit deutschem Vater und französischer Mutter. Leider verliert er beide schon in jungen Jahren. Als Pierrot seine Eltern verliert, nimmt ihn seine Tante zu sich, doch dafür muss er Frankreich verlassen. Denn seine Tante arbeitet in einem deutschen Haushalt, der kein gewöhnlicher ist. Es ist der Berghof Adolf Hitlers, die Sommerresidenz des Führers und der Zweite Weltkrieg steht kurz bevor. Schnell gerät der Junge, der sich von nun an Peter nennen muss, unter den direkten Einfluss des Führers, der für ihn eine Art Vaterersatz ist. Um sein Vertrauen zu bekommen und ihm seine Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit…

Fazit

Jeder kennt John Boynes „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Meines Erachtens ein unheimlich gutes wie fesselndes Buch. Gleiches hatte ich vom „Der Junge auf dem Berg erwartet“ und ich wurde nicht enttäuscht. Der Leser startet mitten in Pierrots Leben und erfährt, wie es seiner Familie geht, lern den Protagonisten näher kennen. Schnell zeigt sich, dass Pierrots Vater gezeichnet vom Ersten Weltkrieg ist. Pierrot muss sich schon in jungen Jahren mit dem Thema Tod und Krankheit auseinandersetzen. Doch seine Tante, von der er noch nie etwas gehört hat, nimmt sich seiner an, sodass er nicht im Kinderheim bleiben muss. Er reist dafür von Frankreich in die Alpenregion Deutschlands. Hier wird er zum ersten Mal mit der Hitlerjugend konfrontiert. Für ihn keine besonders angenehme Erfahrung.

Der Schreib- und Erzählstil war einfach, kurzweilig und ansprechend. Die Dinge wurden nicht in die Länge gezogen, was ich bei John Boyne sehr schätze. Allerdings gingen mir dadurch einige Entwicklungen zu schnell. Meines Erachtens war es nicht der Wandel Pierrots zu Peter, einem deutschen Jugendlichen, der schon mit jungen Jahren an den Lippen Adolf Hitlers hängt, sondern es waren Pierrots Taten, die ich eindrücklich, aber auch extrem unbedarft und naiv fand. Natürlich ist Pierrots Beispiel eines von vielen und Kinder handeln nun mal nicht immer mit Bedacht und lassen sich möglicherweise schneller täuschen, als Erwachsene. Allerdings finde ich, dass Pierrot sehr leichtfertig mit den meisten Dingen umgeht, die er beim Führer sieht. Er denkt nicht nach, er lässt sich treiben und von der Propaganda manipulieren. Es führt dazu, dass er Dinge tut, die man weder in seinem Alter, noch jemals tun sollte. Diese Dinge sind verstörend und erschreckend, können aber genauso stattgefunden haben.

Das Ende kam mir viel zu schnell und unpassend. Es ist unversöhnlich und lässt den Leser ein wenig unbefriedigt zurück, was ich sehr schade finde. Auch den Titel „Der Junge auf dem Berg“, finde ich nicht sonderlich passend oder ansprechend. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ ist wesentlich eindrücklicher. Alles in allem eine gute Geschichte, die den Leser bedrückt zurücklässt und einmal mehr zeigt, was Hetze und Propaganda bei einem Jugendlichen und sicher auch bei Erwachsenen auslösen kann.


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