Mittwoch, 1. Juli 2015

"The Big Game: Die Jagd beginnt" - Leseabenteuer und Filmdesaster?

http://www.carlsen.de/hardcover/big-game-die-jagd-beginnt/57267 vs. http://www.kino.de/kinofilm/big-game/149822

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Zum Roman:

Zum ersten Mal hörte ich auf der diesjärigen Leipziger Buchmesse vom Roman "Big Game: Die Jagd beginnt", für welchen vom Chicken House Verlag auch sehr viel Werbung gemacht wurde. Beim Bloggertreffen bekam sogar jeder ein Exemplar mit nach Hause.

Inhalt:

In der Nacht vor seinem dreizehnten Geburtstag muss Oskari allein in die Wildnis, so verlangt es die Tradition. Bewaffnet mit Pfeil und Bogen soll er ein Tier erlegen, um seine Männlichkeit zu beweisen. Nachdem er es kaum schafft den Pfeil vor den Augen der anderen zu spannen, macht er sich trotzallem auf den Weg. Doch dann fällt ihm der amerikanische Präsident quasi direkt vor die Füße. Er ist nur knapp einem Attentat entkommen und sieht trotz seines schicken Anzugs nicht so aus, als hätte er die Lage im Griff. Jetzt kann Oskari zeigen, was in ihm steckt.


Zum Film:

Der Film zum Buch kam sehr schnell und kam bereits am 18. Juni 2015 in den Kinos. Bereits den Trailer fand ich ein wenig flach und überlegte lange, ihn mir anzuschauen. Doch das Actionabenteuer um den finnischen Jungen, der plötzlich an der Seite des US-Präsidenten ums Überleben kämpfen muss, wollte ich mir auf der Kinoleinwand nicht entgehen lassen. Gesagt getan.

Inhalt:

Der 13-jährige Oskari muss, so verlangt es die Tradition, eine Nacht alleine in den finnischen Bergen verbringen und mit Pfeil und Bogen ein Tier erlegen. Schafft er das, hat er bewiesen, dass er nun ein ganzer Mann ist. Während seiner Mission wird über ihm die Air Force One von Terroristen abgeschossen. Der US-Präsident kann sich in letzter Minute in eine Rettungskapsel flüchten, wo der Junge ihn findet. Bald sind die beiden selbst Beute, denn die zu allem entschlossenen Attentäter setzen sich auf ihre Spur.

Leseabenteuer vs. Filmdesaster

VORSICHT: FILMSPOILER !!!

Der Inhalt sollte sich natürlich decken, doch, da es sich um eine Verfilmung handelt, musste einiges noch etwas dramatisiert und spannender gemacht werden.

Das Buch fand ich angenehm, ansprechend und spannend geschrieben. Man kam als Leser schnell ins Geschehen und konnte sich sehr gut mit dem jungen Oskari, welcher vor einer enormen Aufgabe und großem Druck steht, hineinversetzen. Ich konnte auch seinen Vater, welcher ihm hilft wo er kann, gut verstehen, auch wenn sich Oskari ein wenig gedehmütigt sieht.

Bereits im Kleinkinderalter werden die Jungen trainiert, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Im Alter von 5 Jahren muss Oskari gemeinsam mit seinem Vater einen großen Wasserfall hinunter springen. In diesem Alter kann Oskari die Tragweite nicht einschätzen und hat verständlicherweise eine Heidenangst in den Wassermassen zu ertrinken. Trotzdem folgt er seinem Vater blindlings und lernt so nicht seiner Angst, sondern seinem Instinkt zu vertrauen. Dies hilft ihm später bei seiner Rettungsaktion. 
Für Oskari ist die Prüfung wichtig, denn im Dorf gilt er als schwacher, kleiner Junge, der es nicht schaffen wird ein anständiges Tier zu erlegen. Oskari’s Vater erlegte seinerzeit einen Bären und wurde damit zur Legende. Der Druck kommt nicht von seinem Vater, sondern den macht Oskari sich selbst. Er ist besessen von dem Ziel ein respektables Ergebnis abzuliefern, da er hofft damit seinen Vater von der Trauer um Oskaris verstorbene Mutter abzulenken.

 Doch statt selbst zum Jäger zu werden und sich einen Hirsch oder Bären zu erlegen, findet Oskari den Präsidenten und versucht ihm zu helfen. Er wird nun selbst zur Beute von den Terroristen, welche sie durch den halben Wald jagen.
Der Roman schafft es die Rettungsaktion Oskaris sehr authentisch darzustellen. Denn wer glaubt denn wirklich, dass ein dreizehnjähriger Junge es schafft, einen erwachsenen Mann zu retten und dieser so hilflos ist, dass er sich blind auf den Jungen verlässt? Doch in "Big Game" ist es möglich und auch glaubwürdig. 
Alles in allem war es wirklich ein gelungener Jugendroman.

Was man von der Verfilmung meines Erachtens leider nicht sagen kann:
Während des Films konnte ich nicht wirklich in das Geschehen hineinfinden. Die Charaktere einschließlich Oskari und dem Präsidenten sind flach und oberflächlich gehalten. Dazu kommt, dass gerade der Terroristenbos eine unglaublich schlechte Synchronstimme hat, die überhaupt nicht zu ihm passt. Auch seine Handlungen kann ich teilweise schlecht nachvollziehen und ich erinnere mich im Buch auch nicht an sie. 

Einige Handlungen entfallen im Film oder wurden abgewandelt. So hat zum Beispiel Oskari seinen Quat noch, als er den Präsidenten rettet. Das ist ein großer Unterschied zum Buch, denn so ist die Flucht um einiges leichter. Die ganzen kleinen Utensilien, die Oskari dabei hat, um im Wald mehrere Tage überleben zu können, spielen im Film keine Rolle. Gerade das finde ich sehr schade, denn das fand ich im Buch sehr schön beschrieben und gab der Rettungsaktion mehr Glaubwürdigkeit.

Dinge, die bereits im Buch schier unglaublich schien, schaffen es im Film leider erst Recht nicht, glaubwürdig zu erschein. So beispielsweise Oskaris Rettungsaktion mit Hilfe der Kühltruhe, in welcher der Präsident eingesperrt ist. Im Buch ist es eine riesige Aktion, welche einiges an Zeit und Mühe kostet. Im Film schneidet Oskari ein Seil durch, was zur Folge hat, dass die gesamte Truhe abstürzt?!

Ich kann auch nicht nachvollziehen, weshalb der Präsident im Film nicht einfach aus der Truhe steigt, denn sie schwebt höchstens ein bis zwei Meter über dem Waldboden. Gerade der Film schafft es nicht, die Rettungsaktion Oskaris in den Mittelpunkt zu rücken und dem Publikum begreifbar zu machen, dass es ein Teenager im Alter von 13 Jahren war, der es schafft den Präsidenten aus den Fängen von Terroristen (mit RAKETEN?!) zu retten. Keine einzelne Handlung fand ich spannend oder ansprechend.

Auch die Dialoge zwischen Oskari und dem Präsidenten sind flach und teilweise einfach unnütz. So sagt zum Beispiel Oskari kurz vor dem Start des im See abgestürzten Flugzeugs (es kommt im Film nicht mal zur Sprache, dass es wieder fliegen soll, die beiden setzen sich einfach ins Cockpit und los geht`s) "Ich schaffe das Präsident, keine Sorge.", dann drückt der Präsident (?!) den Knopf und die beiden werden aus dem Flugzeug geschleudert. Natürlich direkt vor die Nase des Leibwächters, der den Präsidenten umbringen möchte. Doch damit scheint Oskari gerechnet zu haben, denn er hat seinen Bogen gezogen und schießt einen Pfeil auf den Leibwächter ab. Dieser nutzt durch die schusssichere Weste gar nichts, doch da der Leibwächter durch den Splitter nah an seinem Herzen vorbelastet ist, stirbt er trotzdem. Gut, "Ich schaffe das, keine Sorge" könnte auf die Aktion mit dem Pfeilschuss bezogen sein, geht aber aus der Situation nicht hervor und erscheint dadurch beim Publikum ein wenig sinnfrei. So geht es mir mit einigen Passagen im Film.

Sogar der Kampf zwischen Präsident und seinem Leibwächter sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt. Das finde ich richtig schade, denn das Buch hätte einiges mehr hergegeben.
Am Ende ist Oskari der Held, wie es sein sollte, jedoch das Gefühl im Film blieb aus. 

Alles in allem finde ich es schade, dass das Buch, welches mir recht gut gefallen hat, so eine schlechte Umsetzung im Film findet. Dieser konnte mich trotz hochrangiger Besetzung nicht überzeugen und vermittelte mir keinerlei Gefühl, welches der Roman jedoch übermitteln konnte. 



Vielleicht ist der ein oder andere von euch da ja anderer Meinung und kann mich doch noch vom Film überzeugen?

Oder habt ihr vielleicht noch weitere Schwachstellen im Film oder auch im Buch entdeckt?

Über eure Meinung zum Thema würde ich mich freuen. 

Kommentare:

  1. Hallo.

    ich bin damals durch den Trailer auf das Buch aufmerksam geworden und war richtig begeistert davon. Habe mir dann gleich das Buch angeschafft und im Juni gelesen, damit ich danach den Film schauen kann. Hach ja, das Buch war sooo toll, auch wenn es etwas überzogen war, dass ein 13 jähriger den Präsidenten rettet. Nach dem Buch war ich dann umso gespannter auf den Film ... und war enttäuscht. Der Film ist komplett anders als das Buch und dazu schnarch langweilig. Ich dachte wirklich, ich sitze im falschen Saal, denn eigentlich (wenn ich mich richtig erinnere), wurde das Buch nach dem Film geschrieben, daher hätte ich NIE mit so einem miesen Film gerechnet.

    Wirklich schade.

    LG Diana

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    1. Hallo liebe Diana,
      danke für deinen Kommentar. Ja das sehe ich leider auch so. Ist mehr als schade, aber na gut. Es geht einem ja oft so, dass das Buch besser war, als einem hinterher der Film gefällt. nur bei diesem Film gab es wirklich einen riesigen Unterschied zum Buch...
      Viele liebe Grüße,
      Liesa

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